Fumetti per adulti - Bruno Corbuccis semi-komischer Beitrag zur "Commedia sexy"

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Die erste Version der degenfechtenden Amazone

Donnerstag, 7. Mai 2015

Se vuoi vivere... spara! (Andere beten - Django schießt) 1968 Sergio Garrone

Inhalt: Gerade erst in dem kleinen Nest angekommen, wird der Goldsucher Johnny Dall (Ivan Rassimov) im Saloon unmissverständlich dazu aufgefordert, an einer Poker-Partie teilzunehmen, bei der auch der Kopfgeldjäger Stark (Giovanni Cianfriglia) mit am Tisch sitzt, während der Sheriff im Hintergrund bleibt. Dall weiß nicht, dass sie ein abgekartetes Spiel spielen, bei dem es am Ende nur einen Sieger gibt. Zwei der ahnungslosen Mitspieler werden mit gefälschten Karten so gegenseitig aufgebracht, dass Einer von ihnen im Duell stirbt, so dass sich Stark danach um den Überlebenden kümmern kann – gegen eine satte Prämie, die der Sheriff spontan wegen Mordes festlegt.

Dall gelingt es zwar, sich dank seiner Schießkünste den Gangstern zu entziehen, aber Stark und seine Kumpanen bleiben ihm bei seiner Flucht aus der Stadt auf den Fersen. Um seine Verfolger loszuwerden, trickst Dall sie aus und kann sie überwältigen, wird aber selbst von einer Kugel getroffen. Stark entkommt und er erreicht mit letzter Kraft eine Ranch, wo er auf den Rancher McGowan (Adriano Micantoni) und dessen Kinder Sally (Isabella Savona) und Tommy (Franco Cecconi) trifft, die ihn gesund pflegen. Bald schon hat sich Dall auf der Ranch gut eingelebt, aber nicht nur von Stark, der ihm Rache gedroht hatte, droht Unheil…


Nachdem Sergio Garrone in den Jahren zuvor drei Italo-Western produziert hatte, an denen er zweimal auch als Drehbuchautor beteiligt war, schien es nur folgerichtig, dass er selbst auch die Regie übernahm. Allerdings nicht in eigener Produktion, sondern unter der Hoheit von Elsio Mancuso, der wiederum die Filmmusik zu "Se vuoi vivere... spara!" (Andere beten - Django schießt) schrieb. Beide wiederholten dieses Team-Work beim folgenden "Tre croci per non morire" (1968) noch einmal, bevor sich Mancuso ausschließlich auf die Filmkomposition konzentrierte, darunter auch in weiteren Garrone-Filmen. Keine seltene Konstellation während des damaligen Italo-Western-Hypes, dessen wirtschaftlich kalkulierbarer Erfolg offensichtlich den selbst finanzierten Einstieg ins Filmgeschäft ermöglichte.

Verglichen mit seiner letzten Eigen-Produktion "Killer Kid" (Chamaco, 1967) standen Garrone als Regisseur aber geringere Geldmittel zur Verfügung, denn die Locations beschränkten sich auf den Saloon und die Schmiede eines wenig bevölkerten Orts, den trostlosen Schlupfwinkel einer mexikanischen Gangster-Bande und eine einsam gelegene Ranch inmitten einer karg wirkenden Umgebung, die ohne großartige Panorama-Bilder eingefangen wurde. Auch Iwan Rassimov gehörte trotz zweier Einsätze als Revolverheld unter der Regie von Edoardo Mulargia ("Cjamango" (Django - Kreuze im blutigen Sand, 1967)) damals nicht zur ersten Garde der Western-Darsteller, aber mit seinem Bruder Riccardo, der schon in Sergio Garrones erster Produktion "Dequeyo" (Für Dollars ins Jenseits, 1966) eine tragende Rolle übernommen hatte, „Bösewicht“ Giovanni Cianfriglia und besonders „Killer Kid“- Kameramann Sandro Mancori hatte er erfahrene Mitstreiter an Bord.

Der folgerichtige Einfluss von „Killer Kid“ auf "Se vuoi vivere... spara!" (wörtlich: Wenn du leben willst…schieß!) wird weniger an der von der Grundanlage her konventionellen Story deutlich, sondern mehr an dem Willen zur Originalität, mit dem sich der „Späteinsteiger“ Garrone offensichtlich vom Italo-Western-Einerlei abgrenzen wollte. Ähnlich wie in „Killer Kid“ entsprach die Charakterisierung des „Helden“ nicht der Erwartungshaltung an einen klassischen Pistolero, die dank der deutschen Synchronisation noch zusätzlich bestärkt wurde. Nicht nur, dass hier kein Django mitspielte, wie es der deutsche Titel gewohnt werbewirksam suggerieren wollte, Johnny Dall (Ivan Rassimov) überzeugt zudem mehr durch Emotionalität, denn durch zynische Sprüche und gnadenlose Duelle. Abgesehen von einer der ersten Szenen, in der er sich gegen die Machenschaften um den Kopfgeldjäger Stark (Giovanni Cianfriglia) wehrt, spielen seine Schießkünste keine entscheidende Rolle. Verletzt kann er sich auf eine Farm retten, wo er nicht nur vom Rancher (Adriano Micantoni) und dessen jugendlicher Tochter Sally (Isabella Savona) wieder aufgepäppelt wird, sondern schnell zum allseits geschätzten Mitarbeiter mutiert – eine wenig coole Rolle, die Garrone noch mit ausführlichen Familienszenen unterstrich.

Als Co-Hauptdarsteller taucht früh Donovan (Riccardo Garrone) auf, ein sehr auf sein Äußeres achtender Herrenreiter, dessen Rolle lange im Ungewissen bleibt. Als er bei seiner Ankunft eine Decke über den Rücken seines Pferdes legt, amüsiert das die umstehenden Cowboys noch, aber er verschafft sich sofort Respekt, woran deutlich wird, dass von dem Mann noch mehr zu erwarten ist. Aus der Kombination Donovan/Johnny Dall entsteht später ein schlagkräftiges Duo mit vertauschten Rollen. Während der optisch dem Westernhelden entsprechende Stark zwar voller Elan Rache üben will, nachdem die Farmerfamilie, die ihn so freundlich aufgenommen hatte, niedergemetzelt wurde, ist es der Frauenheld Donovan, der cool und überlegt vorgeht – und damit die Position des Anführers übernimmt. Diese gegen das Western-Klischee geschürte Interpretation eines Buddy-Movies wäre dem Betrachter leichter zu vermitteln gewesen, hätte sich Garrone bei seinem ersten selbst verantworteten Western zwischen Komödie und Drama entschieden.

Schon die Eingangssequenz vermittelt diesen uneinheitlichen, für den gesamten Film signifikanten Eindruck. Während der dicke Sheriff nach einem Glas Bier im Saloon vor sich hinschlummert, spitzt sich die Situation bei einem Pokerspiel zu. Zwei Männer werfen sich gegenseitig Falschspiel vor. Es kommt zu einem tödlichen Schusswechsel, worauf der Kopfgeldjäger Stark seelenruhig zu dem Sheriff geht und ihn bittet, die Prämie für den Überlebenden festzulegen – tot oder lebendig. Da sie in beiden Fällen gleich hoch ist, braucht er nicht lange, um sich zu entscheiden. Geldverdienen leicht gemacht, denn daran das Stark und seine Compagnons für die mehr als vier Asse selbst zuständig waren, besteht kein Zweifel. Die Absurdität dieser Szene nimmt ihr trotz des tödlichen Ausgangs für einen Unschuldigen - auch als sie sich kurz darauf mit Johnny Dall als nächstes Opfer wiederholt - die Spannung, steht aber beispielhaft für die Überraschungen, mit denen "Se vuoi vivere... spara!" aufwarten kann.

Zwar gehörte die Story vom reichen Großgrundbesitzer, der mit seinen skrupellosen Helfern die kleinen Rancher terrorisiert, um ihnen für wenig Geld ihr Land abzukaufen, zum Standard-Repertoire des Italo-Western, aber Garrone nutzte diesen oberflächlich bleibenden Handlungsrahmen nur dazu, eine Vielzahl unterschiedlicher Szenen darunter zu vereinen. Wird der Beginn noch von der Auseinandersetzung zwischen Stark und Dall geprägt, spielt dieser Konflikt erst am Ende des Films wieder eine Rolle. Nach den Familienszenen und einer angedeuteten Liebesgeschichte zwischen Dall und Farmerstochter Sally, steht Donovan zunehmend im Mittelpunkt des Geschehens und Franco Cobianchi, auch als Co-Autor und Regieassistent an der Entwicklung des Films beteiligt, darf zwischendurch eine Kostprobe als mexikanischer Bandenchef im Fernando Sancho-Modus geben. Der Charakter dieser Szenen wechselt zwischen ernsthaften und komischen Momenten. Einmal findet Dall den erschossenen kleinen Sohn der Farmersfamilie auf, dann befreit eine ehemalige Geliebte Donovans das Duo aus den gar nicht so harten Fängen der mexikanischen Banditen, die er danach nicht mehr los wird. Wann endete ein Italo-Western damit, dass der Held am Ende fluchtartig vor einer Frau davon reitet? 

In einer Phase, Anfang 1968, in der die Italo-Western zunehmend begannen, nur noch die eigenen Insignien zu wiederholen und das Gewalt-Level weiter anzuziehen, gehörte "Se vuoi vivere... spara!" zu den frühen Beispielen, die dem Genre auch komische Seiten abrangen – ein Trend, der sich verstärken sollte. Doch verglichen mit ähnlich konzipierten Western wie „Sugar Colt“ (1966) oder „Arizona Colt“ (1966), die trotz ironischer Brüche keinen Zweifel an dem grundsätzlich dramatischen Geschehen aufkommen ließen, wirkt der Humor hier deftiger und zwischen ernsten Szenen punktueller gesetzt. Garrone persiflierte das Genre sogar direkt. Im Stall des deutsch-stämmigen Schmieds, der in der Originalfassung ein wunderbares Italienisch mit eingestreutem deutschen Vokabular spricht, tragen die einzelnen Pferde-Koppeln die Namen bekannter Western-Helden wie "Django", "Ringo" oder Garrones eigene Kreation "Killer Kid". Man spürt regelrecht das Augenzwinkern des Regisseurs – eine Sichtweise, die der Betrachtung des Films insgesamt sehr entgegen kommt.

"Se vuoi vivere...spara!" Italien 1968, Regie: Sergio Garrone, Drehbuch: Sergio Garrone, Franco Cobianchi, Darsteller : Ivan Rassimov, Giovanni Cianfriglia, Riccardo Garrone, Isabella Savona, Franco Cobianchi, Laufzeit : 97 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Sergio Garrone:

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Der Name "L'amore in città" bezieht sich auf einen Episoden Film aus dem Jahr 1953, der erstmals Regisseure in Italien dazu brachte, ihre extra dafür geschriebenen und gedrehten Kurzfilme zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Der Episodenfilm steht symbolisch für eine lange, sehr kreative Phase im italienischen Film, die in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Kunstform Film wurde. Die intensive Genre-übergreifende Zusammenarbeit unter den Filmschaffenden war eine wesentliche Grundlage dafür.