In Erinnerung an Tomas Milian, gestorben am 22.03.2017

Montag, 16. Dezember 2013

Delitto al ristorante cinese (Ein Schlitzohr außer Rand und Band) 1981 Bruno Corbucci

Inhalt: Bombolo muss seinen Chef (John Chan) zum Flughafen bringen, da dieser einen längeren Aufenthalt in China plant. Bis zu seiner Rückkehr hat er Vincenzo (Enzo Cannavale) als Leiter seines China-Restaurants eingesetzt, von dem er erwartet, dass es während seiner Abwesenheit keine Klagen gibt. Dafür soll auch der neue Koch Ciù Ci Ciao (Tomas Milian) sorgen, den Bombolo gleichzeitig am Flughafen abholt und dessen Spezialität gefüllte Reiskörner sind.

Zuerst scheint die Ankunft des neuen Kochs die Erwartungen zu erfüllen, aber als dieser und Bombolo einen Gast tot auffinden, geraten sie in Schwierigkeiten. Ciù Ci Ciao, der Angst hat, wieder nach China abgeschoben zu werden und um die Reputation des Restaurants fürchtet, schlägt Bombolo vor, den Toten in dessen Wohnung zu transportieren. Zwar gelingt es ihnen nach einigen Anstrengungen, aber Nico Giraldi (Tomas Milian), der trotz seines Gipsbeins als Ermittler auf den Fall angesetzt wurde, kommt Bombolo sofort auf die Spur, der der Versuchung nicht widerstehen konnte, eine exotische Briefmarke für seine Sammlung aus einem in der Wohnung liegenden Briefumschlag zu schneiden...


Die von elektronischen Rhythmen begleitete Disco-Musik während der Credits zu Beginn ließ keinen Zweifel aufkommen: die 70er Jahre waren vorbei und das Polizieschi-Genre hatte seinen Höhepunkt schon seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts überschritten, das vom Team Bruno Corbucci/Tomas Milian mit der Rolle des römischen "Superbullen" Nico Giraldi seit "Squadra antiscippo" (Der Superbulle mit der Strickmütze, 1976) persifliert worden war. Inzwischen waren sie bei der siebten Fortsetzung "Delitto al ristorante cinese" (Ein Schlitzohr außer Rand und Band) angekommen, weshalb sie dem "Franchise" offensichtlich eine Frischzellenkur verordnen wollten. Zwar spielte der italienische Originaltitel auf den Vorgängerfilm "Delitto a Porta Romana" (Elfmeter für den Superbullen, 1980) an, aber die deutschen Verleiher ließen angesichts der inhaltlichen Veränderungen den "Superbullen" verschwinden  - auch in den noch folgenden drei Fortsetzungen sollte er nicht mehr im Filmtitel auftauchen.

Natürlich trat Tomas Milian auch in "Delitto al ristorante cinese" im gewohnten Outfit als Nico Giraldi auf, aber der Anteil einer kriminalistisch geprägten Handlung nahm deutlich zugunsten humoristischer Szenen ab. Außer dem titelgebenden Mord im China-Restaurant geschieht im Film kein weiteres Verbrechen und bis auf eine kurze Szene zu Beginn greift Nico Giraldi erst nach einem Drittel der Laufzeit in die Handlung ein. Deshalb musste der Betrachter aber nicht auf Tomas Milian verzichten, der in einer zweiten Rolle als Ciù Ci Ciao die Stelle des neuen Kochs im besagten China-Restaurant antritt, in dem Bombolo schon als Chauffeur und Kellner arbeitet und der Neapolitaner Enzo Cannavale in Abwesenheit des Chefs (John Chan) die Leitung übernommen hat.

Allein diese Besetzung und Milian als Chinese, der jedes Klischee noch potenzierte, ließen keinen Zweifel daran, dass "Delitto al ristorante cinese" besonders die Liebhaber absurder italienischer Komödien ansprechen wollte, was vortrefflich gelang. Obwohl Milian in seiner Rolle als chinesischer Koch kaum einen bekannten Witz ausließ - darunter die ständigen Verwechslungen von "r" und "l", die in der italienischen Originalfassung teilweise sehr komisch sind - vermied er jede Herabwürdigung dieser Figur, da er auch in der skurrilen Verkleidung gewohnt selbstbewusst auftrat. Zudem schaffte es Bombolo mühelos, jeden noch so kleinen Anflug an Intelligenz zu unterbieten, wodurch das chinesisch-römische Gespann zu einem sympathischen Chaos-Duo mutierte, das in einer Parallel-Handlung zu den polizeilichen Ermittlungen auftrat, auch wenn sie den toten Gast im Restaurant entdeckten und äußerst ungeschickt in dessen Wohnung transportierten.

Tomas Milian ist in beiden Rollen nie gleichzeitig im Bild zu sehen, was er dazu nutzte, den Polizei-Inspektor Nico Giraldi wieder cooler und ohne die zuletzt gewohnten Albernheiten anzulegen - diese lebte er hier ausschließlich als Ciù Ci Ciao aus. Trotz seiner üblichen Wortgefechte mit Ehefrau Angela (Olimpia di Nardo) und der Tatsache, dass er mit Gipsbein und einer Krücke in Form einer riesigen Zuckerstange unterwegs ist, agierte Milian in der Tradition der frühen "Superbullen" - Filme, weshalb der Handlungsstrang um die Aufklärung des Mordes nachvollziehbar blieb und ihm genügend Gelegenheiten gab, seine Umgebung ironisch zu kommentieren, bis zu der Anspielung auf die Tradition von Schwarz-Bauten, die in Italien nicht mehr abgerissen werden dürfen, sobald das Dach fertig gestellt wurde - wie es Vittorio de Sica in "Il tetto" (Das Dach, 1956) einst ernsthaft thematisierte.

"Delitto al ristorante cinese" gehört zu den gelungensten Filmen um Nico Giraldi, weil er dank der Doppelrolle Tomas Milians die in den Vorgängerfilmen zunehmend absurder angelegte Figur des Polizisten in zwei Charaktere spaltete. Als unorthodoxer römischer Ermittler musste Milian nicht mehr allein den gesamten Film tragen und konnte sich auf die von den ersten Folgen der Reihe gewohnte Art der Verbrechensbekämpfung konzentrieren, während er als chinesischer Koch, gemeinsam mit Bombolo, einem absurden, zum Teil albernen, aber nie geschmacklosen Spiel frönte – zusammen führte das zu einem sehr unterhaltsamen Ergebnis, dass noch einmal die Stärken des Teams Bruno Corbucci/Tomas Milian demonstrierte.

"Delitto al ristorante cinese" Italien 1981, Regie: Bruno Corbucci, Drehbuch: Bruno Corbucci, Mario Amendola, Darsteller : Tomas Milian, Bombolo, Enzo Cannavale, Olimpia di Nardo, Giacomo Furia, Laufzeit : 97 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Bruno Corbucci:

"Isabella, duchessa dei diavoli" (1969)

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Der Name "L'amore in città" bezieht sich auf einen Episoden Film aus dem Jahr 1953, der erstmals Regisseure in Italien dazu brachte, ihre extra dafür geschriebenen und gedrehten Kurzfilme zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Der Episodenfilm steht symbolisch für eine lange, sehr kreative Phase im italienischen Film, die in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Kunstform Film wurde. Die intensive Genre-übergreifende Zusammenarbeit unter den Filmschaffenden war eine wesentliche Grundlage dafür.