Fumetti per adulti - Bruno Corbuccis semi-komischer Beitrag zur "Commedia sexy"

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Die erste Version der degenfechtenden Amazone

Samstag, 13. Juli 2013

Peccato veniale (Der Filou) 1974 Salvatore Samperi

Inhalt: Der 16jährige Sandro (Alessandro Momo) verbringt mit seinen Eltern den Sommer am Meer in deren Sommerresidenz. Das fröhliche Rumalbern mit seinen Freunden am Strand und der harmlose Flirt mit Rosy (Monica Guerritore) sind vorbei, als plötzlich sein großer Bruder Renzo (Orazio Orlando) auftaucht, der nur kurz ans Meer gekommen ist, um seine schöne Frau Laura (Laura Antonelli) abzuliefern, die hier schon ihren Urlaub verbringen soll, bevor er in den letzten zwei Wochen dazu kommen will.

Seinem Bruder trägt er noch augenzwinkernd die Bitte auf, sich um Laura zu kümmern, damit sie sich nicht so allein fühlt. Doch von allein sein kann keine Rede sein, angesichts ihrer Attraktion, mit der sie das Interesse der Männer sofort auf sich zieht. Für Sandro ist es eine echte Belastung, ständig seine schöne Schwägerin vor Augen zu haben, aber nicht zu wissen, wohin mit seiner wachsenden sexuellen Begierde…


Nach dem Erfolg mit "Malizia" (1973) griff Regisseur Salvatore Samperi ein knappes Jahr später wieder auf sein bewährtes Team zurück, um in "Peccato veniale" (Der Filou) erneut von der Affäre einer erwachsenen Frau mit einem Jugendlichen zu erzählen. Doch auch wenn mit Laura Antonelli und dem noch im selben Jahr, kurz vor seinem 18.Geburtstag, tödlich verunglückten Alessandro Momo, die selben Schauspieler wieder ihre Rollen einnahmen, wurde "Peccato veniale" ein gänzlich anderer Film. Spielte "Malizia" auf Sizilien in den frühen 60er Jahren und entwarf eine Situation des Machtmissbrauchs auf Basis traditioneller gesellschaftlicher Strukturen, die der 16jährige Sohn des Hausherrn dazu nutzte, die Hausangestellte, die beabsichtigte seinen Vater zu heiraten, zum Sex zu zwingen, entwickelte "Peccato veniale" - ganz im Sinn seiner wörtlichen Bedeutung "Lässliche Sünde" - das Bild eines unbeschwerten Sommermonats am Strand mit dem 16jährigen Sandro (Alessandro Momo) und seiner Schwägerin Laura (Laura Antonelli), die Frau seines deutlich älteren Bruders Renzo (Orazio Orlando), im Mittelpunkt.

Auch "Peccato veniale" spielte nicht in der damaligen Gegenwart, sondern Mitte der 50er Jahre in Versilia, einer toskanischen Küstenlandschaft, aber wie üblich ging es Samperi weniger um optische Authentizität - sowohl Laura Antonelli, als auch die männlichen Darsteller, besonders die Komiker Lino Toffolo und Lino Banfi mit ihren 70er Jahre Frisuren, wirken sehr gegenwärtig - als um ein atmosphärisch dichtes Zeitgemälde, dass sich einer traditionellen Konstellation widmete. Im katholisch, patriarchalisch geprägten Italien war es üblich, dass Jünglinge ihre ersten sexuellen Erfahrungen mit erwachsenen Frauen erlebten - häufig auf Basis eines Bordell-Besuchs - da die Mädchen ihres Alters als Jungfrauen in die Ehe gehen sollten. Auch im Subtext von "Malizia" schwingt diese Thematik mit, die in einigen Filmen der 70er Jahre als Anlass für erotische Szenen genutzt wurde ("Lezioni private" (1975)), aber Samperi gelang es in "Peccato veniale", die schlüssig entwickelte Liebesgeschichte zwischen dem 16jährigen und seiner Schwägerin - mit einer wie gewohnt optisch reizvoll in Szene gesetzten Laura Antonelli - mit Sketchen und einem ironischen Blick auf männliches Machogehabe, Homophobie und traditionelle Klischees zu kombinieren.

Häufig wird Samperi die Neigung zu inzestiösen Verbindungen in seinen Filmen nachgesagt, aber diese Betrachtungsweise ist oberflächlich, da es sich zwar um Angehörige einer Familie, nie aber um direkte Blutsverwandte handelt. In "Peccato veniale" entsteht diese Konstellation nicht nur nachvollziehbar - Renzo lässt seine Frau bei seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder an deren Sommerdomizil, während er in der Stadt arbeitet - sondern nutzt sie für eine ironische Umkehrung männlicher Erwartungshaltungen. Sind die Szenen am Strand von grober Komik - etwa wenn der dickliche Lino (Lino Toffolo) den muskelbepackten Angeber austrickst, oder die Jugendlichen um Sandro einem begriffsstutzigen Mädchen weismachen, sie müssten ihren Busen eincremen, damit ihr Damenbart verschwindet (was dann blöderweise auch eintritt, weshalb sie den Trick nicht mehr wiederholen können) - sind die Charakterzeichnungen der übrigen Familienmitglieder gelungene Karikaturen.

Sandros Vater Giustino (Tino Carrara) ist ein pensionierter Offizier, der zwar gerne von alten Zeiten schwärmt, innerhalb der Familie aber nichts zu sagen hat. Seine exzentrische Frau Lilla (Lilla Brignone), die ihn mit Verachtung straft, schmust lieber mit ihrem Hund, weshalb Giustino ständig versucht, diesen umzubringen, was selbstverständlich misslingt. Als er seinen Sohn zufällig in Frauenklamotten sieht - Sandro hatte sie für Laura angezogen, damit sie die Länge ihres Kleides festlegen konnte - ist seine größte Sorge, dass sein Sohn schwul ist. Eine Katastrophe, die bei ihm noch vor dem Weltuntergang kommt.

Sandros großer Bruder Renzo ist dagegen ein mit großem männlichem Selbstverständnis versehener Sonny-Boy - charmant, gutaussehend und freundlich, aber ohne jede Sensibilität oder Einfühlungsvermögen. Seine Ignoranz gegenüber seiner Frau, deren schönen Körper er gerne liebkost, ohne zu spüren, dass sie sich einsam fühlt und sich langsam etwas in der Beziehung zu Sandro verändert, nervt sie zunehmend. Als sein kleiner Bruder ihm nachts am Telefon gestehen will, dass Laura und er sich geküsst hätten, begreift Renzo nur, dass er etwas mit einer erwachsenen, und wie er dann noch erfährt, verheirateten Frau hat. Eine Information, die ihn mit Begeisterung erfüllt und an seine eigene Jugend erinnert.

Salvatore Samperi und seine Drehbuchautoren Ottavio Jemma und Alessandro Parenzo, die auch an "Malizia" beteiligt waren, begehen nicht den Fehler, zu sehr in Klamauk zu verfallen, sondern kontrastieren die witzigen Szenen mit der ernsthaft geschilderten  Beziehungsentwicklung zwischen Laura und Sandro, für die sich der Film viel Zeit lässt. Alessandro Momo gelingt es sehr gut, seine widerstreitenden Emotionen zu transportieren. Anders als in "Malizia" und in den üblichen Erotik-Komödien der 70er Jahre ist er kein notgeiler Teenager, für den Frauen nur Objekte sind ("L'insegnante" (Die Bumsköpfe, 1975)), sondern hegt ernsthafte Gefühle für Laura. Diese spürt das und kann vermitteln, warum ihr der junge Mann langsam näher steht als ihr Ehemann, der über seine äußeren Wahrnehmungen nicht hinaus kommt. Wenn Renzo am Ende die Mannwerdung seines kleinen Bruders feiert und sein Vater aufatmet, dass sein Sohn nicht schwul ist, ahnen sie nicht, dass er gerade mit der Ehefrau und Schwiegertochter geschlafen hatte.

"Peccato veniale" ist  weder besonders schwerwiegend, noch kommt seine Kritik an männlichem Gehabe und Vorurteilen über ironische Seitenhiebe hinaus - gleichzeitig befriedigt er deren Voyeurismus mit Bildern der schönen Laura Antonelli. Aber Salvatore Samperi wird auch in "Peccato veniale" seinem Ruf gerecht, seine erotischen Filme mit einer gewissen Eleganz und inhaltlichem Format anzureichern - es ist definitiv eine "lässliche Sünde", sich seinen unterhaltsamen Film anzusehen.

"Peccato veniale" Italien 1974, Regie: Salvatore Samperi, Drehbuch: Salvatore Samperi, Ottavio Jemma, Alessandro Parenzo, Darsteller : Laura Antonelli, Alessandro Momo, Orazio Orlando, Tino Carraro, Lilla Brignone, Lino Toffolo, Lino Banfi, Laufzeit : 93 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Salvatore Samperi:

"Malizia" (1973)
"Scandalo" (1976)
"Nenè" (1977)

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Der Name "L'amore in città" bezieht sich auf einen Episoden Film aus dem Jahr 1953, der erstmals Regisseure in Italien dazu brachte, ihre extra dafür geschriebenen und gedrehten Kurzfilme zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Der Episodenfilm steht symbolisch für eine lange, sehr kreative Phase im italienischen Film, die in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Kunstform Film wurde. Die intensive Genre-übergreifende Zusammenarbeit unter den Filmschaffenden war eine wesentliche Grundlage dafür.